Erstellt von: Corinna Ullmann Veröffentlicht auf relilab.org
Inhalt dieses Lernmoduls
Die Teilnehmenden können die Wirksamkeit digitaler Methoden zur Demokratiebildung kritisch bewerten und reflektieren, inwieweit diese zur Förderung von Partizipation und Verantwortung beitragen.
Einführung: Digitalität, Demokratie und Herzensbildung
Kultur der Digitalität: Die Digitalisierung verändert nicht nur die Technik, sondern auch die Kultur. Eine Kultur der Digitalität erfordert neue Formen der Partizipation und Medienbildung. Siehe: relilab.org/menschsein-im-zeitalter-der-digitalitaet
Herausforderungen und Chancen: Digitale Technologien bieten Chancen für mehr Partizipation, stellen aber auch Herausforderungen wie Hate Speech und Fake News dar.
Herzensbildung als Grundlage: Herzensbildung bedeutet, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch die emotionale, soziale und ethische Kompetenz zu stärken. Dabei geht es darum, jungen Menschen Werte wie Mitgefühl, Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein nahezubringen. Gleichzeitig ist es entscheidend, Demokratie erlebbar zu machen – durch die Förderung von Mündigkeit, Meinungsfreiheit und dem aktiven Mitgestalten von Gemeinschaft.
Demokratiepädagogik im digitalen Zeitalter:
„Demokratie muss gelernt werden, um gelebt werden zu können und sie muss gelebt werden, um gelernt werden zu können.“ (vgl. Himmelmann 2016). Dieser Dreiklang verdeutlicht, dass Demokratie nicht nur theoretisch vermittelt, sondern aktiv erfahren werden muss. In der digitalen Welt bedeutet dies, dass junge Menschen sowohl die Werte der Demokratie verstehen als auch die Fähigkeiten entwickeln müssen, diese in digitalen Räumen anzuwenden.
Himmelmann unterscheidet dabei drei Ebenen der Demokratie:
- Lebensform: Demokratie als persönliche Haltung und Lebensweise.
- Gesellschaftsform: Demokratie als Struktur des Zusammenlebens in Gemeinschaften.
- Herrschaftsform: Demokratie als politische Ordnung und Entscheidungsprozess.
Diese Ebenen sind nicht isoliert, sondern miteinander verflochten. In der digitalen Welt manifestiert sich Demokratie auf allen drei Ebenen:
- Lebensform: Wie verhalte ich mich in digitalen Räumen?
- Gesellschaftsform: Wie gestalten wir das Miteinander in digitalen Gemeinschaften?
- Herrschaftsform: Wie nehmen wir Einfluss auf digitale Entscheidungsprozesse?
Quelle: www.pedocs.de/volltexte/2008/216/pdf/Himmelmann.pdf; degede.de/wp-content/uploads/2019/06/himmelmann-g2016-demokratielernen-10-jahre-degede.pdf;
Herausforderungen und Chancen: Soziale Medien in der Demokratiebildung
_Q_uelle: GEOMAX Ausgabe 31, März 2025; Text: Sabine Fischer; Redaktion: max-wissen-Team CC BY-NC-SA 4.0
- Sinkendes Vertrauen in demokratische Institutionen: Die Nutzung sozialer Medien korreliert mit einem verringerten Vertrauen in Institutionen wie Parlamente, Gerichte und die Presse.
- Zunahme von Populismus: Digitale Plattformen begünstigen populistische Bewegungen, indem sie einfache Lösungen für komplexe Probleme präsentieren und die Polarisierung verstärken.
- Politische Polarisierung: Soziale Medien fördern die Bildung von Echokammern, in denen Nutzer:innen vorwiegend Inhalte konsumieren, die ihre eigenen Ansichten bestätigen, was zu einer verstärkten gesellschaftlichen Spaltung führt.
- Affektive Polarisierung: Es entsteht eine generelle Antipathie gegenüber politischen Gegner:innen, unabhängig vom Inhalt ihrer Aussagen, was den demokratischen Dialog erschwert.
- Verbreitung von Desinformation: Falsche Informationen verbreiten sich schnell und erreichen ein breites Publikum, was die informierte Meinungsbildung beeinträchtigt.
Trotz der genannten Herausforderungen bieten soziale Medien auch Potenziale für die Demokratiebildung:
- Erhöhte politische Partizipation: Digitale Plattformen senken die Hürden für politische Beteiligung, ermöglichen eine breitere Meinungsäußerung und fördern die Mobilisierung für gesellschaftliche Anliegen.
- Förderung von politischem Wissen: Nutzer:innen haben Zugang zu vielfältigen Informationsquellen, was zu einer besseren informierten Bürgerschaft beitragen kann.
- Neue Formen des Aktivismus: Bewegungen wie #MeToo oder #BlackLivesMatter zeigen, wie soziale Medien als Katalysatoren für gesellschaftliche Veränderungen dienen können.
- Vernetzung und Solidarität: Digitale Netzwerke ermöglichen es, Gleichgesinnte zu finden, sich auszutauschen und gemeinsame Ziele zu verfolgen.
Praxisbeispiel: Planspiel „Garten Eden 2.0
In einer Welt, die zunehmend von digitalen Technologien geprägt ist, stehen wir vor der Herausforderung, junge Menschen nicht nur mit Wissen, sondern auch mit den notwendigen Kompetenzen auszustatten, um aktiv und verantwortungsbewusst an demokratischen Prozessen teilzunehmen. Das interaktive Planspiel „Garten Eden 2.0“ bietet hierbei einen innovativen Ansatz, um Themen wie Nachhaltigkeit, interreligiöse Zusammenarbeit und digitale Partizipation miteinander zu verbinden.
„Garten Eden 2.0“ ist ein interreligiöses Planspiel, das von Friederike Wenisch, Miriam Meir und Corinna Ullmann entwickelt wurde. Es simuliert die Verwaltung eines Gemeinschaftsgartens durch Vertreter:innen verschiedener Weltreligionen. Die Teilnehmenden übernehmen dabei Rollen, die sie in Entscheidungsprozesse einbinden und sie mit ethischen sowie praktischen Fragestellungen konfrontieren. Das Spiel fördert die Auseinandersetzung mit Themen wie Schöpfungsverantwortung, interkulturellem Dialog und nachhaltiger Entwicklung.
Das Planspiel verfolgt mehrere didaktische individuelle Lernwege:
- Demokratische Entscheidungsprozesse: Wie werden Entscheidungen im interreligiösen Kontext getroffen und welche demokratischen Prinzipien kommen dabei zum Tragen?
- Digitale Partizipation: Welche digitalen Tools werden genutzt und wie fördern sie die Beteiligung der Teilnehmenden?
- Ethische Fragestellungen: Wie werden Werte wie Verantwortung, Gerechtigkeit und Solidarität in die Entscheidungsprozesse integriert?
- Stärkung der Friedensbildung: Durch den interreligiösen Dialog werden Verständnis und Respekt für unterschiedliche Glaubensrichtungen gefördert.
- Sensibilisierung für digitale Partizipation: Die Integration digitaler Tools zeigt, wie Technologie für demokratische Prozesse genutzt werden kann.
- Verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen: Die Auseinandersetzung mit dem Gemeinschaftsgarten sensibilisiert für Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Durch die Kombination von analogen und digitalen Elementen wird eine Brücke zwischen traditionellen Bildungsansätzen und modernen Technologien geschlagen
In verschiedenen Bildungsprojekten wurde „Garten Eden 2.0“ erfolgreich eingesetzt. Dabei zeigte sich, dass die Teilnehmenden besonders von der interaktiven Gestaltung und der Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen, profitierten. Weitere Einblicke zum Einsatz in der Konfiarbeit.
Das Handbuch mit allen Materialien und die Taskcard
Weitere digitale Tools
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www.reflexionstool-demokratiebildung.de/aktuelles
Name des Material: Manchmal darf ich wählen – eine reportagenbasierte Unterrichtsreihe zum Thema Partizipation und Wahlalter.
Kurzbeschreibung (Kurzvorstellung der Lerneinheit): Welche Möglichkeiten haben Jugendliche, an der Gesellschaft teilzuhaben…? In welchem Verhältnis stehen ihre Rechte und die Frage nach ihrer Wahlfähigkeit…? Mit diesen und weiteren Fragen zum Thema Partizipation bei jungen Menschen beschäftigt sich die Unterrichtsreihe „Manchmal darf ich wählen“. Das Material ist um fünf Kapitel einer Reportage aufgebaut, die von den Erfahrungen und Perspektiven dreier Jugendlicher erzählt, ergänzt durch Gedanken von Menschen aus Politik und Gesellschaft.
Einsatzmöglichkeiten, evtl. Lehrplanbezug, etc.: Das Unterrichtsmaterial orientiert sich an der 11. Klasse, kann allerdings auch in anderen Klassenstufen (je nach Einschätzung der Lehrkraft) problemlos genutzt werden. Die Einheiten werden besonders für den Politik-/Sozialkunde- und Ethikunterricht empfohlen, lassen sich aber auch in den Religionsunterricht gut einbinden. Auch das Entnehmen einzelner Methoden kann sich anbieten.
Autorin: CORINNA ULLMANN
Der Artikel ist zur Weiternutzung als OER ausdrücklich erlaubt: Dieses Werk und dessen Inhalte sind – sofern nicht anders angegeben – lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: „Digitale Demokratiebildung: Partizipation und Verantwortung in der Digitalität“ | Corinna Ullmann| relilab.org | Lizenz: CC BY 4.0.

