Radio Fortschritt 12.5.2004, offener Kanal Kiel
Produktion ohne Wert, oder Konsum als Arbeit.
Eine Betrachtung über das Ökonomische.
Wir klagen über ein zu wenig an Arbeit, und das ist wunderlich, gibt
es doch kein zu wenig an Arbeit. Arbeit ist eine Größe die aus dem Nichts heraus geschaffen wird.
Arbeit ist beliebig vermehrbar.
Das Beispiel gibt mir recht. Ich nehme Bennos wohl sortierte CD
Sammlung und stecke sie in einem
Sack. O-Ton Benno „Jetzt muß ich die alle wieder sortieren, was für eine
Arbeit.“ Ein ganzer Sack voll Arbeit.
Etwas anderes ist auch interessant an dem Beispiel: Benno hat sich nicht gefreut, und das, trotz der
Arbeit die ich ihm zum Geschenk machte, wo doch Arbeit so rar ist, und wir meinen, wir hätten
nicht genug davon. In der Wirklichkeit gibt es ein soviel an Arbeit, und die wenigste erfreut das
Herz. Das drückte sich in Bennos Reaktion aus, sein Herz war nicht erfreut. Und weil soviel der
Arbeit sowenig unser Herz erfreut bauen wir Automaten.
Autómatos (griech.) = sich selbst bewegend, aus eigenem Antrieb Um also Arbeit von selbst machen zu lassen.
Für die die es einfach nicht verstehen wollen noch einmal mit Buckmister Fuller :“Von diesem
Zeitpunkt an, da der Mensch Energiekreisläufe verstand, war seine wirklich wichtige Funktion im
Universum die Intellektion. Sie brachte ihm bei, lokale Energiemusterungen im Universum
abzufangen und umzudirigieren. Auf diese Weise kann er die Fließmusterreorganisieren und so
schalten, daß sie Auswirkungen auf- zum Beispiel - Hebel haben, und die Fähigkeiten der
Menschen zur Lösung der vielfältigen Aufgaben vermehren, die direkt und indirekt zu ihrer
künftigen metabolischen Regeneration fuhren.“
Das stetige Automatisieren heißt Fortschritt, und schafft Arbeitslosigkeit. Daran ist nichts
schlimmes, denn es ist gewollt, oder besser es ist genau was wir meinen mit Fortschritt, und warum
wir ihn betreiben. Am Ende der Automatisierung steht der Replicator. Jene fantastische Maschine
aus Star Trek, die Energie in Materie und Form umwandelt.
Produktion reduziert sich hier in das reproduzieren eines Musters. Als Computerprogrammierer ist es
meine Tätigkeit Menschen Arbeitslos zu machen. Jede Funktion eines Computerprogrammes kann
von Menschen erledigt werden. Ein Mensch kann selbstverständlich für 1 Mio. Datensätze,
einen Index über eine Datenspalte, nennen wir sie Autor Nachnahme erstellen. Er könnte zb.
auf Karteikarten alle Datensatznummern notieren, deren Datenspalte Autor Nachname mit
den entsprechenden Anfangsbuchstaben beginnen. Das ist ein Klassischer Index wie er noch in
manchen Bibiotheken vorliegt. Das sein Herz froh wird dabei, ist fraglich. Arbeit ist
im Mittelhochdeutsch auch Mühsal und Plage und wird deutlich unterschieden von der Berufung, aus der sich
der Beruf ableitet.
Nun Wirtschaften wir, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen.
Als Ökonomische Individuen hat ein Gut, das unsere Bedürfnisse befriedigt, einen Nutzen. Aus
diesen Bedürfnissen leitet sich also der Nutzenwert ab, auf dem sich das Wertgesetz gründet. Die Tauschbarkeitder
Güter, das Äquivalenzgesetz, leitet sich aus diesem Wertgesetz ab.
Das Äquivalenzgesetz ist die Basis unserer, auf Tausch von Werten aufbauenden, Ökonomie. Erst mit dieser
Äquivalenzist es möglich unterschiedliches gegeneinander auszutauschen. Also „snickes“ gegen eine
Zeit der Mühsal und der Plage. Gegen Arbeit.
Hier gilt es die Abstraktheit dieser Operation zu verstehen die der Tausch beinhaltet. Das
Äquivalente ist hier ein Zeichen, das auf einen Wert in der Wirklichkeit
verweist, so lassen sich Werte zueinander in Beziehung setzten. In dem sie zu Zeichen
werden, lassen sie sich als Zeichen austauschen, denn nur hier sind sie äquivalent. Das Zeichen Besitz
aber zwei Wertzusammenhänge zum einen den Symbolischen Wertzusammenhang, der auf den Nutzen zeigt in
der Wirklichkeit, für den das Zeichen die Referenz ist, zum anderen einen
strukturalen Wertzusammenhang, der entsteht durch die Operation mit den Zeichen innerhalb des
Zeichensystems. Gemeinhin genannt der Preis. Und das gilt natürlich genauso für die Arbeit. Baudrillard :“Bevor
sie(die Arbeit) Tauschwert oder Gebrauchswert wird, ist sie, wie jede andere Ware auch, das Zeichen
der Verwandlung von Natur in Wert, durch das sich die Produktion definiert.“
Bedürfnisse werden heute produziert. Der Nutzen definierte sich einst aus dem Bedürfnis, das nun
aber auch zum Produktionsgut geworden sind. Damit hat das Äquivalenz Gesetz hat das Wert
Gesetz abgeschafft und der Nutzwert ist aus der Produktion entschwunden.
Er wird wiedergeboren in dem Mythos der Qualität, “teures ist besser als billiges“.
Für die die es einfach nicht verstehen wollen, noch einmal mit Baudrillard: „Man muß begreifen,
daß die ganze Spähre der Produktion, der Arbeit und der Produktivkräftein die Spähre der
<> kippt, d.h. In die Spähre einer allgemeinen Axiomatik, eines codierten
Zeichenaustauschs, eines Durchgängigen Designs des Lebens. ...“ und weiter
„Wenn die Produktion diese Zirkularität erreicht und sich um sich selbst dreht, verliert
siejede objektive Determination. Sie verzaubert sich selbst zu einem Mythos durch ihre eigenen zu Zeichen geronnenen Bestimmungen.“
Ist der Nutzen entschwunden, und die Produktion Selbstzweck, ist Konsumtion eine Produktionsgröße, denn sie Produziert etwas, die Nachfrage. Das
mag anstößig und ungewohnt klingen, ist doch Konsumtion gleich zusetzten mit Destruktion,
dem Verzehren von Gütern. Und die Bedeutung antagonistisch zur Produktion. Aber genau diese, die Bedeutung,
die objektive Determination ist ja verlorengegangen. Auf der Ebene der Äquvalentz sind
es Zeichen und als solche austauschbar. Es macht ebend keinen Sinn Güter herzustellen
die nicht konsumiert werden können. Noch klarer wird es bei dieser Formulierung : „Es macht
keinen Sinn, Maschinen herzustellen, die Güter herstellen, die nicht konsumiert werden können.“
Konsum ist eine Produktionsgröße wie Maschineneinsatz und Arbeit. Klar ausgesprochen heißt das : „Konsum ist
Arbeit am System.“ Formulieren wir diese Erkenntnis noch einmal anstößig
: „Arbeitslosigkeit ist kein Problem sie wird zu schlecht bezahlt und steht in einem
zu schlechten ruf.“
Aus der Erkenntnis das Konsum Arbeit ist, leitet sich klar ab das
sie auch bezahlen werden muß.
Und das wird sie auch, nur unter einem anderen Vorzeichen, dem der Hilfe.
Nur ist das ganze Hilfesystem problematisch. Gibt es doch denen die es in Anspruch
nehmen das Gefühl davon, Hilfe zu empfangen, also hilflos zu sein. Das ist ein Grund
zur Unzufriedenheit, denn es widerspricht dem Prinzip der Eigenverantwortlichkeit, das wir doch so sehr brauchen
für die Definition unsere selbst. Es ist sogar noch schlimmer, die Hilflosigkeit ist auch
eine Handlungsunfähigkeit, die natürlich nicht wahr ist, sondern nur aus der Definition der Hilflosigkeit
folgt.Was sie nicht weniger wirklich als psychologisches Phänomen macht.
Jeder Mensch in der Ökonomie, hat mindestens eine Arbeit, nämlich
die, Anteil an dem ökonomischen System zu haben. Nachfrage zu produzieren. Die „BrandStar“
und der Folgende konsumverzicht zeigten ganz klar wie abhängig das System vom Konsum ist.
Der Konsumstreik ist das einzige wirkungsvolle, ich sage mal, Klassenkampf mittel das
sich gegen das ökonomische System anwenden lässt. Und was wird die Reaktion sein? Man kann
die Arbeiter nicht aus den Produktionsstätten ,den Supermärkten, auschließen. Man wird sie
bezahlen,um den Streik zu brechen. Das ist das Bürgergeld, 1.000 € pauschal und auf die
Hand,besser das Konto. Nun wissen wir um den Maschinellen Fortschritt und seine
radikalste Ausprägung, dem Replicator, der jede Form der Produktion abdeckt, da er Muster in Form und
Materie umwandelt, ohne Menschlichen Arbeitseinsatz. Er ist eine Idealisierte Maschine,
und skitziert den finalen Endpunkt an dem Maschineller Fortschritt zum erliegen kommt, denn hier hat dieser
Fortschritt seine Endbestimmung erreicht. Und wo befinden wir uns dann ? Gewiss nicht
am Endpunkt der Bewegung, dem Paradies. Vielleicht aber auf dem Sternenschiff Enterprice, O-TON Picarde „Tea,
earl grey, hot.“. Oder aber dem Sterneschiff Erde, wie schon heute. Neue, fremde Welten zu
entdecken. Im inneren wie im äußeren.
Die ureigensten Menschlichen Domänen sind „Liebe“, „Forschung“ und„Kunst“.
Das Hellenische ideal des „guten“,“wahren“ und „schönen“, dem die Menschen sich zuwenden sollten, ist nicht automatisierbar. Hier ist Technik und sind Funktionszusammenhänge nicht herstellbar. Wenn also alle Arbeit und jede Organisation Automatisch von statten geht so bleiben diese Bereiche des Menschlichen Lebens unbearbeitet. Und diese Arbeit wird immer bleiben.
